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Betroffenheits-Checkliste · 34 Prüffragen in 6 Blöcken

NIS2-Betroffenheitscheckliste: 34 Prüffragen für eine belastbare Einstufung

Veröffentlicht am 14.04.2026 · Zuletzt aktualisiert: 17.04.2026 ✓ Geprüft 17.04.2026
So verwenden Sie diese Checkliste

Diese Checkliste ist für einen Mittelständler mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern konzipiert. Arbeiten Sie die 34 Fragen in der angegebenen Reihenfolge ab. Am Ende erhalten Sie eine belastbare Aussage zur Betroffenheit, Einstufung als wesentliche oder wichtige Einrichtung sowie zur notwendigen Registrierung beim BSI.

Typische Durchlaufzeit: 8 bis 15 Arbeitstage, verteilt auf CISO, Legal, Compliance und Geschäftsführung.

Block 1 — Sektor-Zuordnung (11 Fragen)

Die Sektor-Zuordnung ist der häufigste Fehlerherd. Viele Unternehmen unterschätzen ihre Rolle in der Lieferkette oder ordnen sich nicht den korrekten Anhang-Kategorien zu.

BeispielEin IT-Dienstleister mit 240 Mitarbeitern erbringt Managed Services für 40 Krankenhäuser. Allein das macht ihn zur wesentlichen Einrichtung (Sektor: ICT-Service-Management) — unabhängig von seiner eigenen IT-Infrastruktur.

Block 2 — Größenprüfung nach EU-KMU-Definition (5 Fragen)

Die Schwellen folgen der EU-Empfehlung 2003/361/EG. Maßgeblich ist der aktuellste verfügbare Jahresabschluss; bei Wachstum gilt die Schwelle ab zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren.

BeispielEin Maschinenbauer wuchs von 48 auf 72 Mitarbeiter im Berichtsjahr. Bilanzsumme: 12,4 Mio. Euro. Beide Schwellen (MA und Bilanz) wurden überschritten — der Betrieb fällt als wichtige Einrichtung unter NIS2.

Block 3 — Konzernstruktur und Beteiligungen (4 Fragen)

Konzernweite Betrachtung nach EU-Verbundenheitsregeln. Minderheitsbeteiligungen ab 25 Prozent werden einbezogen.

BeispielEine Familien-Holding mit 34 MA hält 100 Prozent an drei operativen Töchtern mit je 80 bis 140 MA. In der konsolidierten Betrachtung: 394 MA — die gesamte Gruppe ist betroffen, jede Tochter wird einzeln zu den 18 Sektoren zugeordnet.

Block 4 — Besondere Kriterien unabhängig von der Größe (6 Fragen)

Einige Einrichtungen fallen unabhängig von Sektor oder Größe unter NIS2. Prüfen Sie jede Frage.

BeispielEin Unternehmen mit 12 MA und 2,3 Mio. Euro Umsatz betreibt den einzigen Telekommunikationsdienst in einer Gemeinde mit 4.200 Einwohnern. Kriterium „alleiniger Anbieter" greift — NIS2 ist anwendbar.

Block 5 — Grenzüberschreitende Leistungen (4 Fragen)

Wichtig für die Zuständigkeit und die Registrierungspflicht in mehreren EU-Staaten.

BeispielEin deutscher Cloud-Anbieter mit 420 MA hat Kunden in 9 EU-Staaten. Zuständigkeit: Deutschland als Hauptniederlassung, aber Meldepflichten können auch in anderen Mitgliedstaaten anfallen, wenn dortige Kunden erheblich betroffen sind.

Block 6 — Dokumentation und Übergabe an die Geschäftsleitung (4 Fragen)

Das Ergebnis des Betroffenheitschecks muss prüffest dokumentiert sein. Bei späteren Regulierungsanfragen oder im Fall eines Sicherheitsvorfalls ist die Dokumentation das zentrale Nachweisinstrument.

BeispielEin Unternehmen lehnt die Betroffenheit ab, weil es die 50-MA-Schwelle knapp unterschreitet. Zwei Jahre später wird die Schwelle überschritten. Das BSI prüft rückwirkend — ohne saubere Dokumentation und jährliche Re-Prüfung ist kein Nachweis möglich.

Häufig gestellte Fragen zur Checkliste

Wie viele Prüffragen umfasst der Betroffenheitscheck?

Der strukturierte Check besteht aus 34 Prüffragen in 6 Blöcken. Die Gewichtung der Blöcke spiegelt die Prüfungslogik wider: Sektor-Zuordnung ist umfangreichster Block, weil die meisten Fehler hier entstehen.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Handelsregisterauszug, Jahresabschlüsse der letzten zwei Geschäftsjahre, Mitarbeiterstatistik nach Vollzeitäquivalenten, Konzernorganigramm, Liste der Tochtergesellschaften mit Länderbezug, Leistungsbeschreibung pro Gesellschaft, eine Aufstellung aller erbrachten Dienste mit geographischer Reichweite.

Wer sollte die Prüfung durchführen?

Ein Team aus CISO oder IT-Sicherheit, Compliance, Legal und Finance unter Leitung eines Projektverantwortlichen. Der Check umfasst rechtliche, organisatorische und finanzielle Kriterien. Eine alleinige Delegation an die IT-Abteilung ist nicht ausreichend und führt häufig zu Fehleinstufungen.